Wie wir uns selbst verändern können

Bei der Selbstveränderung sind uns enge Grenzen gesteckt, denn wenn wir über Selbstveränderung sprechen, kann sich dies nur auf Veränderungen der persönlichen Lebensweise, nicht aber auf umfangreiche Änderungen der Charaktereigenschaften beziehen.

Was bei dem Versuch der Selbstveränderung besonders bemerkenswert ist, ist die Vorstellung, dass es doch eigentlich sehr leicht sein müsste, sich selbst zu verändern – man muss es »nur« wollen! Das, was hier erst einmal logisch klingt, ist aber genau das Problem: Wie oft haben wir uns schon Dinge vorgenommen, die wir wirklich wollten? Wir wollten abnehmen, das Rauchen aufgeben, mehr Sport treiben, uns mehr Zeit für uns und unsere Familie nehmen, weniger ärgern und aufregen, häufiger mal ausspannen, nicht mehr so viel streiten u.v.m.

Diese oder andere Veränderungen wollten wir wirklich – aus innerster und tiefster Überzeugung heraus. Und was war das Ergebnis?
Unsere Vorsätze waren wie ein Startschuss, dem aber meist kein Rennen folgte!

Wie kann das sein? Der Grund hierfür liegt darin, dass sich unserem bewussten Willen unser unbewusstes Selbst entgegensetzt. Möchte ich mich also selbst verändern, dann muss ich auch hier nach Möglichkeiten suchen, wodurch sich dieser innere, trotz unserer größten und besten Vorsätze oftmals sehr beratungs- und veränderungsresistente Kollaborateur unserer Persönlichkeit fügen lässt. Und damit stehen wir vor der gleichen Herausforderung, die wir haben, wenn wir jemand anderen ändern wollen.

Veränderung gelingt nicht über Befehle »Ich muss mich jetzt ändern!« oder Einsicht »Rauchen ist ungesund!«, da ich hierdurch lediglich die bewussten und rationalen Ebenen anspreche. Wirkliche, nachhaltige Veränderung, funktioniert nur über Vorbildfunktion, Einfühlungsvermögen, Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit, Selbstverpflichtung und eine individuelle Belohnungsstrategie. Wie aber soll ich denn mir selbst gegenüber Vorbild sein, einfühlsam sein, mich glaubwürdig und ehrlich verhalten? Und vor allem, wie soll ich mich mir selbst gegenüber verpflichten?

Vorausgesetzt ich verfüge wirklich über diese Eigenschaften, dann doch nur deshalb, weil meine unbewussten Persönlichkeitsanteile mich dazu gemacht haben – aber nicht umgekehrt! Ganz genau – und deswegen funktionieren so viele gute Vorsätze nicht. Es ist uns kaum möglich, durch unsere verstandesgemäß kommunikative Ebene unsere unbewussten persönlichen Ebenen zu beeinflussen. Leider sind wir im Allgemeinen Meister der Selbsttäuschung und gehen allzu gerne den Weg des geringsten Widerstandes! Und damit stehen wir uns sehr oft selbst im Weg. Wenn das so ist, was bleibt dann noch an Möglichkeiten, um sich selbst zu ändern?

Das einzige, was bleibt, um unsere inneren Blockaden begrenzt »weich zu klopfen«, ist die Selbstmotivation.
Selbstmotivation ist nötig, wenn Zweifel aufkommen, wenn ich anfange die Sinnfrage zu stellen oder wenn ich glaube, dass ich etwas nicht schaffen werde. »Stell dich nicht so an, halte durch! Du schaffst das schon! Streng dich an!« Unser Unbewusstes signalisiert uns dann sehr schnell Versagensängste, Mutlosigkeit oder Überforderung und übt sich in Vermeidungsstrategien.

Der erste und wichtigste Schritt zur Selbstveränderung ist in solchen Situationen meist die Frage nach den Alternativen:

  • Was tue ich, wenn ich die Umsatzvorgaben nicht erfülle?
  • Was tue ich, wenn ich den Job an den Nagel hänge?
  • Was tue ich, wenn ich das Projekt abbreche?

Gibt es hierzu Alternativen, so kann man in Erwägung ziehen, diese anzugehen. Das wiederum hängt wieder von dem Temperament und der Persönlichkeitsstruktur ab. Außerdem ist es oft so, dass wenn man erst einmal entmutigt ist, die Alternativen den Stich machen.

Wer anfängt an sich zu zweifeln, hört nie damit auf!
Man wird im wahrsten Sinne des Wortes zerrissen: Auf der einen Seite zerrt die Notwendigkeit zur Veränderung und auf der anderen Seite zerrt die Angst vor Veränderung! Kommt dann noch hinzu, dass man die äußeren Umstände nicht verändern kann, so hat man nur eine Chance: Ich muss mich selbst verändern!

Dann ist man sich selbst gegenüber in der gleichen Situation, wie ein Vorgesetzter gegenüber einem Mitarbeiter, den er ändern will. Was dort funktioniert, funktioniert auch bei einem selbst und was dort nicht funktioniert, funktioniert auch bei der eigenen Verhaltensänderung nicht. Wenn also, auf die eigene Veränderungsmöglichkeit bezogen, nur die Selbstmotivation übrig bleibt, wie muss diese dann gestaltet sein?

Im Wesentlichen gibt es 5 Möglichkeiten der Selbstmotivation:

  1. Vorbilder oder Idole suchen
    Suchen Sie sich einen Menschen, der einmal in einer ähnlichen Situation war und es dennoch geschafft hat – einen Kollegen, einen Vorgesetzten oder eine Person des öffentlichen Lebens. Eifern Sie dieser Person nach. Fragen Sie sich: »Was kann der, was ich nicht auch schaffen könnte?» Die Antwort ist: »Nichts!«

  2. Ziele setzen
    Setzen Sie sich klare und eindeutige Ziele. Was will ich wann, wie und mit welchen Maßnahmen erreichen? Am besten funktioniert dies, wenn Sie Ihr Ziel in einem Bild zum Ausdruck bringen können. Diese Vorgehensweise funktioniert aber nicht per einmaligem Willensakt, sondern muss durch tägliche, wiederholende Übungen eingeübt und dann mittel- bis langfristig automatisiert werden. Man spricht hier von anhaltender Selbstkonditionierung.

  3. Kleine Schritte
    Stecken Sie sich Teilziele. Durch diese Strategie der kleinen Schritte verschaffen Sie sich selbst häufiger Erfolgserlebnisse, die Sie bestärken und Ihnen Mut machen.

  4. Selbstbelohnung
    Belohnen Sie sich selbst mit einer Kleinigkeit, wenn Sie Ihre Vorgaben erreicht haben.

  5. Verbindlichkeit und Selbstverpflichtung
    Leider verpuffen selbst die allerbesten Impulse meist nach sehr kurzer Zeit im Nichts, und allzu gerne fallen wir in unsere bekannten und bequemen Muster zurück. Um diese allzu menschlichen Verhaltensweisen auszuhebeln, ist es durchaus sinnvoll, sich in persönlichen Veränderungsprozessen – in welcher Form auch immer – Unterstützung von außen zu holen.

Warum einfach nicht immer einfach ist

Bei den eingrenzenden Möglichkeiten der Selbstveränderung geht es letztendlich immer darum, emotionale Schwierigkeiten durch Automatisierung und Routinen zu beheben. Um das zu erreichen, benötigen wir anfangs Vorbilder oder Idole, die wir möglicherweise bewundern oder zumindest anerkennen. Und wir benötigen konkrete Ziele, die wir dann, in kleinen Schritten und kombiniert mit einer individuellen Belohnungsstrategie, umsetzen.

Wir sehen also: Man kann sich durchaus selbst verändern, wenn man es richtig angeht. Leider funktioniert das alles aber nur, wenn die eigene Persönlichkeitsstruktur dies zulässt. Ist dies nicht der Fall, benötigen wir Hilfe von außen. Das kann ein guter Coach, ein geeigneter Therapeut oder, in sehr schwierigen Fällen, auch ein qualifizierter Arzt leisten, wobei die Betonung auf gut, geeignet und qualifiziert liegt.
Fazit: Wir sehen, dass sowohl die eigene Verhaltensänderung als auch die Verhaltensänderung bei anderen ein sehr schwieriges Gebiet ist. Dennoch gibt es Mittel und Wege dies, wenn auch in begrenztem Umfang, zu bewirken. Und oft sind diese Mittel und Wege einfacher anzuwenden, als wir denken.

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